Skoliose – Ursachen, Entstehung und moderne Therapie

Was ist eine Skoliose?

Eine Skoliose ist eine dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule. Dabei kommt es nicht nur zu einer seitlichen Verbiegung, sondern zusätzlich zu einer Verdrehung der Wirbelkörper sowie zu Veränderungen der natürlichen Wirbelsäulenkrümmungen (Kyphose und Lordose).

Skoliose ist keine Haltungsschwäche, sondern eine strukturelle Erkrankung der Wirbelsäule, die sich insbesondere während des Wachstums im Kindes- und Jugendalter entwickeln kann.


Ursachen der Skoliose

Die Ursachen einer Skoliose sind unterschiedlich. Man unterscheidet mehrere Formen:

  • Idiopathische Skoliose (häufigste Form, Ursache unbekannt)

  • Angeborene Skoliose durch Fehlbildungen der Wirbelkörper

  • Neuromuskuläre Skoliose bei Nerven- oder Muskelerkrankungen

  • Skoliose im Rahmen von Systemerkrankungen (z. B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Trisomie 21)

In etwa 80–90 % der Fälle handelt es sich um eine idiopathische Skoliose, die meist im Schulalter oder in der Pubertät erstmals auffällt.


Wie entsteht eine Skoliose?

Skoliose und Wachstum der Wirbelsäule

Die Entstehung einer Skoliose ist eng mit dem Wachstum der Wirbelsäule verbunden. Die Wirbelkörper besitzen Wachstumszonen, die empfindlich auf mechanische Belastung reagieren.

Kommt es zu einer frühen Asymmetrie:

  • wächst die stärker belastete Seite langsamer

  • die weniger belastete Seite wächst schneller

Dadurch verstärkt sich die Krümmung im Verlauf – ein sich selbst verstärkender Wachstumsprozess. Besonders während Wachstumsschüben in der Pubertät kann sich eine Skoliose deutlich verschlechtern.

Warum entsteht ein Rippenbuckel?

Durch die Verdrehung der Wirbelkörper werden auch die Rippen mitgedreht. Dadurch entsteht eine sichtbare Brustkorbverformung mit einem Rippenbuckel, der besonders beim Vorbeugen auffällt.


Symptome und Anzeichen einer Skoliose

Typische Anzeichen einer Skoliose sind:

  • unterschiedlich hohe Schultern

  • schief stehendes Becken

  • abstehendes Schulterblatt

  • asymmetrische Taille

  • sichtbarer Rippenbuckel

Viele Kinder haben keine Schmerzen. Beschwerden treten häufig erst im Erwachsenenalter auf.


Mögliche Folgen einer unbehandelten Skoliose

Bei ausgeprägten Skoliosen kann es zu:

  • chronischen Rückenschmerzen

  • Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit

  • Beeinträchtigung der Lungenfunktion bei starker Brustkorbverformung

  • psychosozialer Belastung durch sichtbare Fehlstellungen

kommen. Eine frühzeitige Diagnostik ist daher besonders wichtig.


Skoliose – Diagnose und Untersuchung

Die Diagnostik umfasst:

  • ausführliche Anamnese

  • klinische Untersuchung der Wirbelsäule

  • Röntgen der gesamten Wirbelsäule zur Bestimmung des Cobb-Winkels

  • Einschätzung des Knochenalters und des verbleibenden Wachstums

Bei bestimmten Auffälligkeiten kann eine MRT der Wirbelsäule erforderlich sein, um seltene Ursachen auszuschließen.


Skoliose Therapie – welche Behandlung ist sinnvoll?

Die Therapie der Skoliose hängt ab von:

  • dem Alter des Patienten

  • dem Ausmaß der Krümmung (Cobb-Winkel)

  • dem noch vorhandenen Wachstum

Nicht jede Skoliose muss behandelt werden.


Beobachtung und Verlaufskontrollen

Bei milden Skoliosen ohne Progression reichen regelmäßige ärztliche Kontrollen aus, um eine Verschlechterung rechtzeitig zu erkennen.


Physiotherapie bei Skoliose

Die Skoliose-Physiotherapie, insbesondere die Schroth-Therapie, ist ein wichtiger Bestandteil der konservativen Behandlung.

Ziele der Physiotherapie:

  • aktive dreidimensionale Korrektur

  • Verbesserung von Haltung und Körperwahrnehmung

  • Kräftigung und Dehnung der Rückenmuskulatur

  • Unterstützung der Atmung

Physiotherapie kann die Skoliose nicht heilen, aber die Progression verlangsamen und Beschwerden reduzieren.


Korsetttherapie bei Skoliose

Eine Korsetttherapie wird empfohlen bei:

  • zunehmender Krümmung

  • noch vorhandenem Wachstum

Das Korsett wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert. Ziel ist es, die Verschlechterung der Skoliose während des Wachstums zu verhindern und eine Operation zu vermeiden.


Operative Therapie bei Skoliose

Eine Operation wird in Betracht gezogen bei:

  • starken Krümmungen

  • rascher Progression

  • unzureichendem Erfolg konservativer Maßnahmen

Mögliche operative Verfahren:

  • Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese)

  • Vertebral Body Tethering (wachstumslenkende Operation)

  • expandierende Stabsysteme bei jungen Kindern


Ziel der Skoliose-Behandlung

Ziel jeder Skoliosetherapie ist:

  • eine stabile und funktionelle Wirbelsäule

  • die Vermeidung von Folgeschäden

  • der Erhalt von Beweglichkeit und Lebensqualität

  • ein aktives, uneingeschränktes Leben im Erwachsenenalter